reflections

In Liebe, Lucy! (Teil 2)

Als ich am nächsten Morgen aufwachte dachte ich, das alles sei ein Traum gewesen. Ein ziemlich verwirrender Traum! Doch an der Art, wie Mel mit mir umging, merkte ich, dass ich mir das nur eingebildet hatte. Auch an diesen Nachmittag ging ich zum Stall, zu meinem Pferd Bobby. Doch anders als sonst war mein Kopf nicht wie leergefegt, sobald ich den Stall betrat. Alles, was mich beschäftigte, verschwand aus meinen Gedanken – außer Melody. Ich konnte den Kuss – die Küsse – einfach nicht vergessen und dachte die ganze Zeit darüber nach, ob das alles für sie genauso viel bedeutet hatte wie für mich. Und was es mir bedeutet hatte, denn ich hatte noch immer keine Ahnung, WARUM ich angefangen hatte, meine beste Freundin zu küssen. Wollte ich einfach nur austesten, wie es sich anfühlte, oder empfand ich tatsächlich mehr für Mel? Ehrlich gesagt wusste ich es nicht. Und ich hatte Angst. Angst davor, mich selbst zu belügen und mir einzureden, dass ich mehr für sie fühlte, weil ich so gerne überhaupt eine Beziehung gehabt hätte. Und ich hatte Angst davor, sie wiederzusehen, ich hatte Angst vor ihrer Reaktion. Ich war also den ganzen Tag mit den Gedanken bei Mel und somit unfähig, mich auf irgendetwas zu konzentrieren. Als ich mit Bobby auf dem Weg in den Wald war, fiel mir auf, dass ich meine Reitkappe am Stall hatte liegen lassen und nicht mal der schnelle Galopp durch den Wald (nun natürlich MIT Reitkappe) konnte meinen Kopf leeren. An diesem Abend konnte ich nicht einschlafen. Ich weinte bis in die frühen Morgenstunden und konnte nicht aufhören, über Melody nachzudenken. Ich war mehr als ein Mal kurz davor, meine andere beste Freundin Sophie anzurufen, doch ich tat es nicht. Zum Einen, weil ich sie nicht um halb 3 Uhr morgens aus dem Bett klingen wollte, zum Anderen, weil ich noch nicht genau wusste ob und wenn ja wie ich ihr meine Situation erkläre sollte. Irgendwann muss ich wohl doch eingeschlafen sein, doch als mein Wecker klingelte und es Zeit war, aufzustehen war ich müde und sah, wie ich kurze Zeit später feststellte, verdammt scheiße aus. Ich versuchte mit kaltem Wasser und Schminke so viel wie möglich zu retten, führte halbherzige Konversationen mit meiner Mutter und ihrem Freund, die wissen wollten, warum ich so übernächtigt wirkte und war froh, als ich endlich am Bus war und mich keiner mehr nervte. Ich hatte zur dritten Stunde und so traf ich mich wie jeden Montag vor der Schule mit Sophie in der Stadt. Kaum war ich in Sichtweite, begann meine beste Freundin, mir von ihrem Sonntag zu erzählen, den sie allem Anschein nach mit ihrem Schwarm Dennis verbracht hatte, doch so sehr ich mich auch anstrengte – ihre Worte ergaben in meinem Kopf einfach keinen Sinn, keine zusammenhängenden Sätze. Irgendwann blickte sie mich an und fragte: „Sag mal was ich eigentlich los mit dir? Wo bist du mit deinen Gedanken?“ „ Ich… Ich weiß gerade selber nicht so genau… Ich erkläre es dir vielleicht in der Mittagspause, ja?“, antwortete ich langsam. Wir hatten gleich die Schule erreicht und da Mel wie wir auch zur dritten hatte, wusste ich, dass sie im Foyer sitzen und auf uns warten würde. Es graute mir davor, ihr in die Augen zu sehen. Kaum hatten wir die Schule betreten, steuerte Sophie auch sofort auf den Tisch zu, an dem sie saß. Natürlich, sie wusste ja nicht, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich Melody gegenübertreten sollte. Doch es war nicht halb so schlimm, wie ich es erwartet hätte. „Hey Sophie, hey Lu!“, begrüßte Mel uns und lächelte mich unsicher an. Ich erwiderte ihr Lächeln ebenso unsicher, blickte dann zu Boden und spürte, wie ich rot wurde. In dem Moment kündigte die Schulklingel die nächste Stunde an und rettete mich. Bis zur sechsten Stunde passierte nichts, außer dass mir die Lehrer ab und zu sagten, ich solle ein bisschen aufmerksamer sein. Mel und ich redeten nur das Nötigste miteinander, verhielten uns aber sonst ganz normal und so schöpfte keiner unserer Freunde Verdacht – bis auf Sophie. Ich bemerkte, dass die Blicke, die sie mir zuwarf, immer argwöhnischer wurden und ich wusste, dass sie spätestens in der Mittagspause eine Erklärung von mir verlangen würde. Doch schon am Anfang der sechsten Stunde – Mathe, ich saß zwischen Mel und Sophie – bekam ich einen Zettel von Mel: ‚Und was machen wir jetzt?‘ Mein Blick wanderte zu ihr und ich sah, dass sie leicht verzweifelt zur Tafel blickte. Ob wegen Mathe oder wegen dem, was sie mir eben geschrieben hatte, vermochte ich nicht zu sagen. ‚Ich habe keine Ahnung‘, kritzelte ich zurück, schob ihr den Zettel zu und wandte meinen Blick zur Tafel. Ich hatte keine Chance, Mathe zu verstehen, wenn ich nicht aufpasste, dass wusste ich, doch ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren. Mel tippte mich von hinten an, ich blickte auf mein Heft und sah, dass sie zurückgeschrieben hatte. ‚Sehr gut! Dann ne andere Frage: Warum zum Teufel hast du das gemacht?‘ Abermals schrieb ich zurück: ‚Ich habe keine Ahnung‘ und sah an ihrem Grinsen, dass sie schon beim Schreiben mitgelesen hatte. Also fügte ich hinzu: ‚Bevor du dir die Mühe gibst, noch eine weitere Frage zu stellen: ich weiß im Moment nix!‘ und ließ den Zettel zu Mel zurückwandern. Doch diesmal versuchte ich gar nicht erst, den Ausführungen unseres Mathelehrers zu folgen, sonder las gespannt was Mel meinem ‚Nichts-Wissen‘ entgegen zu setzen hatte. ‚Wollen wir erst einmal back to normal und am Wochenende weitersehen? Wir haben ja sowieso geplant, dass ich bei dir schlafe…‘ Vorsichtig zog ich den Zettel zu mir, antwortete ‚Klingt gut‘ und ließ ihn, sobald ich sicher war, dass Mel meine Antwort gelesen hatte, in meiner Tasche verschwinden. Kaum hatte ich das getan, verkündete die Klingel das Ende der Stunde, Mel ging nach Hause und Sophie zog mich zu unserem Lieblingsort in der Schule. Mir gefiel es dort, weil man immer ganz alleine war und seine Ruhe hatte. Wir hatten uns gerade gesetzt, da forderte Sophie mich mit einem „Jetzt erzähl schon“ auf, endlich Licht ins Dunkel zu bringen. „Ich habe Melody geküsst…“, begann ich und erzählte ihr alles, was an Halloween passiert war, nachdem Mel und ich schlafen gegangen waren. Als ich geendet hatte, grinste Sophie mich an. Verwirrt über ihrer Reaktion – immerhin hatte ich ihr eben ein ernst zu nehmendes Problem geschildert – warf ich meiner besten Freundin einen fragenden Blick zu und die erklärte: „Sorry, aber: ENDLICH! Hab mich schon lange gefragt, wann zwischen euch mal was läuft.“ „Aaaaahjaaa…“ Mein Blick sagte wohl eindeutig, dass ich sie für verrückt hielt, denn sie verteidigte sich: „Hey, ganz im Ernst, so wie ihr zu einander seid…“ Der Satz brachte mich zum Nachdenken. Ja, sie hatte Recht, Melody war schon immer etwas Besonderes für mich gewesen, immer etwas mehr als eine beste Freundin. Aber so viel mehr? -----------------------------------------------------------------------------Viel Spass beim Lesen LG eure Emma

28.1.13 12:59

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